Essayprojekt 2019 // ›Komponistenromane‹

   »Du bist doch Musiker — dann wird dir dieser Roman gefallen!«
»Das musst du lesen: da geht es um einen Komponisten; wie dich!«   
 

Häufig — eigentlich immer — begegne ich solcherlei Aussagen, wie auch den betreffenden Büchern (Filmen etc.) eher skeptisch. Den Gedanken, ›dieses künstlerische Erzeugnis würde mich besonders ansprechen, da es mich in meiner Profession direkt betrifft‹, halte ich für derart abwegig, dass ich die nämlichen Gegenstände gar nicht erst unbefangen rezipieren kann. Es stehen der eigene berufliche Horizont und künstlerische Background also dem (vorurteilsfreien und unkritischen) Genuss im Weg. Gerade weil ich also Musiker — Komponist und letztlich auch ein die Musik Erforschender — bin, kann ich die mir vorgeschlagenen Bücher, Filme und so weiter weniger genießen. Aus diesem Grund widme ich nun das Jahr 2019 dem Künstler-, dem Musiker-, ja: dem Komponistenroman. ›Mich einmal bewusst meiner Spezies aussetzen‹ ist der Gedanke dahinter. Wie werden wir Komponisten im 21. Jahrhundert denn so wahrgenommen? (Wie) Wird unser Tun (ein-)geschätzt? Treten wir überhaupt als kulturschaffende Romanfiguren in Erscheinung oder sind wir lediglich Staffage und eigentlich durch jeden anderen exzentrischen Künstlertypus austauschbar? Fragen über Fragen…über Musik, Gesellschaft…und gutes, musikbasiertes Storytelling. Dem gilt es über das kommende Jahr nachzugehen.

Spätestens seitdem der Musiker und Schriftsteller Anton Schindler 1840 seine Beethoven-Biographie veröffentlichte — und allerspätestens seit Mitte der 1860er Jahre, als Richard Wagner begann Mein Leben zu diktieren —, ist das Subgenre der Komponisten(auto)biographie bzw. des -romans — ganz gleich ob real oder fiktional wie im Falle der Erzählungen E. T. A. Hoffmanns aus dem Leben des Kapellmeisters Johannes Kreisler (1810+ und 1819/21) und des Ritter Gluck (1809) — ein beliebtes Mittel der Epochen- und Kunstbeschreibung. Die Faszination für die demiurgischen Prozesse der Stückkomposition und ihrer detailreichen Umschreibungen und Analysen im 19. Jahrhundert bis hin zum Doktor Faustus von Thomas Mann (1947), der als Vorbild einer neuen Generation der Komponistenromane gelten kann, weicht im 21. Jahrhundert zunehmend der Frage, wie sich Komponist und Schaffen in der Gesellschaft verorten bzw. welche soziokulturellen Umstände und Dynamiken im Tonkünstlerdasein abzulesen sind. Während Doktor Faustus seit seiner Veröffentlichung eine breite Rezeption und rege literatur- wie musikwissenschaftliche Auseinandersetzung erfuhr — dies vor allem begründet durch Manns enge Zusammenarbeit mit dem Komponisten Arnold Schönberg und dem Philosophen Theodor W. Adorno, die den musikbegeisterten und -beflissenen Autor in die Ästhetik der Zwölftonmusik einführten —, wurden bis heute die in der Tat nicht wenigen schriftstellerischen Versuche anderer Autor*innen, Neue Musik als Gegenstand einer Roman- oder auch Filmhandlung zu platzieren, kaum nennenswert reflektiert. Edgar Reitz’ Opus magnum der Heimat-Filmreihe etwa zentriert die Teile Die zweite Heimat — Chronik einer Jugend (1992) und Heimat 3 — Chronik einer Zeitenwende (2004) um den Komponisten Hermann W. Simon und dessen Leben und Wirken als zeitgenössischer Künstler im Deutschland der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.[1] Bis heute eine fast unwiederholbare Seltenheit im Literatur-/Filmbetrieb. Doch geht es für Reitz weniger darum, den schöpferisch-kreativen Akt des Komponierens und nachfolgenden Interpretierens Neuer Musik abzubilden. Sondern widmet sich gleichfalls der Frage, wie sich Komponist und Schaffen in der Gesellschaft verorten.

Da sind ebenfalls die zu betrachtenden Romane des Essayprojekts weniger analytische Paraphrasen kompositorischer Entwürfe und ihrer Umdeutungen auf das ästhetische Verständnis ihrer Zeit, sondern vielmehr Gesellschafts- und Kunstkritiken im eigentlichen Sinne. Die ein Komponistenleben als außergewöhnlich und zumeist politisch und zuweilen auch (musik-)philosophisch relevant hervorheben. Dabei scheint es zunächst zweitrangig, dass die Autor*innen sich als Hauptfiguren Komponisten aussuchen — und nicht etwa Maler, Schauspieler, Schriftsteller o. ä.[2]

 

 

NARRATIV DES 21. JAHRHUNDERTS(?)
Auffällig ist, dass in etwa seit den 1990er Jahren — spätestens aber zum Ausgang des vorigen Jahrtausends — der Komponist als Romanfigur an Bedeutung gewinnt. Von den im Rahmen dieses Essayprojekts analysierten Romanen sind drei 1999/2000, sieben zwischen 2014–16 und drei 2017/18 veröffentlicht worden.[3] Dass hierbei gar noch Romane/Erzählungen und Romanbiographien realer Komponist*innen nicht mitgezählt wurden (beispielsweise Peter Härtlings fünf und mehr Bücher über Komponist*innen des 19. Jahrhunderts) zeigt, von welch öffentlichem und philosophischem Interesse und anhaltender künstlerischer Faszination diese den (zivil-)gesellschaftlichen Konventionen häufig abseitige Figur im 21. Jahrhundert getragen ist. Dies vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass gerade die ›Klassische‹ Musik unserer Gegenwart derart weltfremd auf den Großteil der Menschheit wirkt und Komponist*innen daher allzu häufig ›im Schatten‹ agieren, will sagen: für die breite Öffentlichkeit nicht sicht- und nachvollziehbar in ihrer Ästhetik und künstlerischen Handlung sind (Taruskin). Daher ist es meines Erachtens umso weniger nachvollziehbar, dass die Musikhistoriographie oder aber die literaturwissenschaftliche Musikforschung — gerade die zeitgenössische — sich dieses Themas bis heute noch nicht angenommen hat.[4]

So mag hier also das Faszinosum begründet sein, das Autor*innen veranlasst, Komponist*innen zu den (Anti-)Held*innen ihrer Romane zu machen: wenn sich über Musik nicht sprechen lässt — über ›unverständliche‹ Neue Musik schon gar nicht —, dann doch aber über den Menschen, der diese erdenkt.[5] Was muss das für Einer sein, der so eine Musik schreibt? Wie tickt und lebt diese Person? Diese Faszination lässt die Komponist*innen der gegenwärtigen Romanliteratur häufig halbweltartig erscheinen, zwielichtig und unergründlich — ganz so wie ihre Musik. Da sehe ich eine mögliche Begründung, warum 21.-Jh.-Romanciers Komponist*innen zu Haupt- und/oder Nebencharakteren ihrer Erzählungen machen: die große schöpferische Kraft, die im Verborgenen stattfindet und etwas Genialisches — ja: Faustisches(!) — birgt, lässt gleichzeitig die Möglichkeit einer hochkomplexen Figurenzeichnung zu. Alles ist möglich; nur, die Musik zum Klingen zu bringen — die zumeist auch gar kein handlungsrelevanter Bestandteil der Romane ist — ist so ohne Weiteres nicht möglich.
Es ist bemerkenswert zu sehen, dass es im 21. Jahrhundert, in dem der Mensch hauptsächlich durch visuelle Reize affiziert wird, versucht wird, akustisch arbeitende Kulturschaffende —Ton-Schöpfer*innen — zum Künstlernarrativ der Gegenwartsliteratur zu machen. Sicher: Ich habe mich nun nicht umgeschaut, wie breit die gegenwärtige Belletristik in Sachen Maler-, Schauspieler-, Tänzer- und/oder sonstiger Künstler*innenromane aufgestellt ist.
Eine komparative Studie diesbezüglich, die aufzeigt, welches Künstlernarrativ das für das 21. Jahrhundert prägendste ist, würde sich dahingehend lohnen.

Welche Faszination steht also hinter dem zumeist streng gegenwartsbezogenen und dennoch seltsam zeitlosen Narrativ des Komponistenromans, wenn der Musik nurmehr einer zweiter Rang zukommt?

PRAXEOLOGISCHE PERSPEKTIVE
Das einjährige Essayprojekt möchte sich dem Komponistenroman auf unterschiedlichen Ebenen annähern: Angenommen wird, dass Thomas Manns faustischer Roman von 1947 als stilbildend für das Subgenre gelten kann. Die düstere und schwarzmagische Aura, die den Protagonisten Adrian Leverkühn umgibt, zeichnet sich in zahlreichen der im Laufe des Jahres zu betrachtenden Romanen ab: ein (moderner) Komponist ist ein Geheimnis, seine Arbeit hat etwas Weltfremdes, Anziehendes und zugleich Abstoßendes. Dieser ambivalenten Faszination der Protagonisten — weniger ihrer Musik — sehen sich die anderen Haupt- und Nebencharaktere mitunter hilflos ausgeliefert: ganz gleich, ob aus Liebe zu oder Angst vor dem Komponisten.

In besonderem Maße setzt das Essayprojekt einen praxeologischen Fokus in der Gegenwartsliteratur: da der Gegenstand selbst schaffende, künstlerisch wirkende Figuren sind. Die körperliche und geistige Bezogenheit auf die Gegenwart, die Gesellschaft und die Umwelt und das Einwirken derselben auf die künstlerischen Produktionen der Protagonist*innen, der Komponist*innen, machen die praxeologische Perspektive, die jede*r von ihnen qua Berufsausübung (intentional oder unbewusst) einnimmt, evident.

Dass diese Perspektive auch bei der Leserschaft — hier zumeist unbewusst — Anwendung findet, ist Ausgangspunkt der Studie. Neben der Wiedergabe der Wirklich- und Unwirtlichkeiten eines Komponistenlebens sind dem Komponistenroman denn die ausführlichen Beschreibungen der Kompositionen, die die Hauptfigur verfasst, konstitutiv. Hier wirkt der praxeologische Ansatz, der einerseits den häufig physischen Akt der Tonschöpfung umkreist und andererseits dessen Nachwirkung beim Publikum fordert: einer geistigen Rekapitulation des Beschriebenen vor dem inneren Ohr. Große inhaltliche und sprachliche Unterschiede finden sich hier freilich zwischen wissenschaftlichen und belletristischen Biographien/Romanen, die entweder eine sachliche Analyse oder eine farbenreiche bis hin fantastische Ausschmückung der Klangereignisse darstellen.

 

 

RESONANZTHEORETISCHE PERSPEKTIVE
Unter Berücksichtigung von Hartmut Rosas soziologischem Ansatz einer Weltbeziehung, eines ›Sich-zur-Welt-Beziehens‹ in seiner Resonanztheorie[6] möchte ich beispielhaft am Schaffen des Schriftstellers und Komponisten Helmut Krausser eine Kulturpraxis und Musik- und Kunstästhetik untersuchen, die weitreichend praxeologisches Denken in sich vereint. Der Krausser-Fokus (März) wird gegen Beispiele aus der Belletristik und der Wissenschaft abgesetzt, die einerseits Kraussers generelles Umgehen mit dem Komponistennarrativ verallgemeinern und bestätigen. Andererseits aber auch dessen Eigenwilligkeit hervorheben. Worin gerade diese Unterschiede bestehen, welche Konsequenzen sich für die Rezeption und im Falle Kraussers für sein eigenes musikalisches Schaffen daraus ergeben, soll mglw. im Rahmen eines weiterführenden Projekts herausgestellt werden.

 

›Erzählen mit, aus und über Musik‹ könnte man dieses Essayprojekt in aller Kürze zusammenfassen. Welche Mittel und Wege sich die Autor*innen dazu einfallen lassen, werden die Einzelstudien zeigen. Thematisch gliedert sich das Vorhaben in folgende Abschnitte:

Januar—Mai  

  (Keine) Experimente

Juni—August  

  Komponieren für und wider die Liebe

September—November  

  Todesmelodien und Killerkomponisten

Dezember  

  Besonderes

AUSWAHL DER ROMANE
Zu begründen ist die Auswahl der Romane: Das Essayprojekt beschränkt sich auf Belletristik. Wissenschaftliche Biographien beziehungsweise Romanbiographien über reale Komponist*innen werden nicht betrachtet. Somit fallen beispielsweise die zahlreichen Künstlerromane Peter Härtlings genauso ›hinten runter‹ wie die bewegenden Darstellungen von Julian Barnes über den Lärm der Zeit Schostakowitschs (2017), Klaus Manns Tschaikowsky-Roman Symphonie Pathétique (1935) oder auch Helmut Kraussers Darstellungen der Kleinen Gärten des Maestro Puccini (2008) oder der Allmacht der Melodien (1993/2004). Diese und mögliche weitere Romane über reale Komponist*innen — von denen es schlichtweg zu viele gibt! — wären Stoff für (wenigstens) ein weiteres Essayprojekt.
Gleiches gilt für den Blick auf die wissenschaftlichen Biographien, gerade zu Komponist*innen des 20./21. Jahrhunderts. Auch diese sollen in einem Folgeprojekt näher beleuchtet werden.

 

Für 2019 bleiben wir zunächst bei den fiktiven Klangkünstlern und Tonschöpferinnen. Von Januar bis Mai werden dazu Romane betrachtet, die das Neue, die Avantgarde, die Postmoderne und die S(e)uche unerhörter Klänge in den Mittelpunkt stellen. Dass ein Komponistenleben jenseits aller gesellschaftlichen Konventionen stattfindet, zeigen die Romane der hier Versammelten — Musik als »existentielle Erfahrung«[7] tritt dabei ganz deutlich zutage. Über ›Lieder, die nur um die Liebe sich dreh’n‹ soll es in den Sommermonaten gehen: Was macht den Komponisten zum Schwarm aller Frauen? Wie klingt die Musik, die er für seine Geliebte komponiert hat? Es soll darum gehen, zu gucken, welche Melodien der Himmel voller Geigen spielt…
Wenn aus Liebe Hass wird, aus Begeisterung Angst: Seit einigen Jahr hat auch der Killerkomponist belletristische Konjunktur. Mit seinen Todesmelodien verbreitet er Angst und Schrecken; seine finstere Aura schiebt den Klangtüftler zurück ins Dunkel, wo Thomas Mann und Adrian Leverkühn ihn hergeholt haben. Wie und warum das so gut klappt und ein derart beliebtes Erzählmuster ist, zeigen dann die trüben Herbstmonate. Sodass es endlich im Dezember etwas besinnlicher und besonderer zugehen kann. Die Perspektiven werden variiert und die künstlerischen sowie zeitgeschichtlichen Hintergründe erweitert. Mit einem Blick auf Komponisten-/Musiker-Graphic Novels wird das Essayprojekt 2019 beschlossen.

 

                 

1.   Vgl. u. a. Peter Motzkus, ›Geheischnis‹. Nikos Mamangakis’ Musik zur HEIMAT-Reihe, in: Filmmusik & Identität (= Nr. 13 der Kieler Beiträge zur Filmmusikforschung, hrsg. v. d. Kieler Gesellschaft für Filmmusikforschung 2017) — S. 76–121; Ders., »Wir haben uns selber geboren. Wir bringen uns selber auf die Welt.« Bild-, Kompositions-, Musizier- und Performanceästhetik in Die Zweite Heimat. Vortrag während des XI. Symposiums zur Filmmusikforschung, Musikpraxis im Film, ausgetragen von der Kieler Gesellschaft für Filmmusikforschung und dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Universität Freiburg, 21.-23. Juli 2017). Noch nicht erschienen.
2.   Auf Gendersensibilität kann an dieser Stelle weitestgehend verzichtet werden, da es sich in der Tat fast ausschließlich um männliche Figuren handelt(!), was eine zusätzliche Betrachtung aus genderkonformer und Gleichstellungsperspektive wert wäre.
3.   Angegeben sind die jeweiligen Erstveröffentlichungen der (fremdsprachigen) Originalausgaben.
4.   So finden sich bspw. im Lexikon Neue Musik (hrsgg. v. Jörn Peter Hiekel und Christian Utz. Stuttgart: J. B. Metzler Verlag GmbH 2016) an keiner Stelle Hinweise auf eine kritische Auseinandersetzung mit dem Komponistenroman im 20./21. Jahrhundert.
5.   Vgl. reziprok dazu u. a. den Themenschwerpunkt der MusikTexte. Zeitschrift für Neue Musik (Heft 159, November 2018, hrsgg. v. Gisela Gronemeyer et al. Köln: Verlag MusikTexte 2018) über literarisch tätige Komponist*innen — hier v. a. über Nikolaus Brass, der in der Kunstfigur Schwarzenberg Musik als ›begriffsloses Sagen‹ in Begleitschriften zu seinen Kompositionen verbalisiert.
6.   Hartmut Rosa, Resonanz. Eine Soziologie der Weltbeziehung. Berlin: Suhrkamp Verlag 2016.
7.   Helmut Lachenmann, Musik als existentielle Erfahrung: Schriften 1966–1995. Hrsg. v. Josef Häusler. Zweite, aktualisierte Auflage. Wiesbaden: Breitkopf & Härtel 2004.

 
Essayprojekt 2019: ›Komponistenromane‹. Zur Einführung (pdf)
 

Einträge

Januar

E. T. A. Hoffmann, Kreisleriana (1810+)

Die Vielfalt der Blickweisen auf Musik, Literatur und Künstlerleben macht diese Sammlung, die um Hoffmanns Figur des Kapellmeisters Johannes Kreisler zentriert ist, zu einer Fundgrube in jedem Sinne: eine humorvolle Anleitung zum Versenken von Schauspielern durch Bühnenklappen ist ebenso enthalten wie der berühmte Aufsatz zu Beethovens Instrumentalmusik (Reclam).

 

Ders., Lebens–Ansichten des Katers Murr (1819/21)

Der Kater Murr ist nicht nur der romantische Künstlerroman par excellence, er ist darüber hinaus einer der großen artistischen und humoristischen Romane der europäischen Literatur des 19. Jahrhunderts (Reclam).

 

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Februar

Thomas Mann, Doktor Faustus (1947)

Auf der Grundlage des Faust–Stoffes hat Thomas Mann in seinem 1947 erschienenen Musiker-Roman eine Parabel für die Verstrickung des Künstlertums in die politische Katastrophe des Nationalsozialismus geschaffen. Kein anderer Roman dieses Autors ist dermaßen kontrovers und erhitzt diskutiert worden  — noch Jahrzehnte nach seinem Erscheinen (Fischer Taschenbuch Verlag).

 

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März

Helmut Krausser, Alles ist gut (2015)

Existiert eine »manipulative Musik«? Dem verkannten Komponisten Marius Brandt werden Notenblätter zugespielt, die für ihn alles verändern. Doch wer hält wirklich den Taktstock in der Hand? Helmut Krausser nimmt sein Thema aus Melodien [1993/2004] wieder auf und spinnt es weiter zu einem furiosen, selbstironischen Finale (Berlin Verlag).

 

Edith Maria Engelhard, Der Komponist (2016)

In jungen Jahren war er der aufstrebende Stern am Komponisten-Himmel. Von den „Meistern der Postmoderne“ gefördert, von den Musen geherzt, war schon auf dem Sprung, eine Ausnahmekarriere zu machen. Er ist kein schöner Mann. Eine blasse Gestalt ist er. Ein Antiheld. In jenem Sommer streckt er, mit dem Mut des Verzweifelten, die Hand nach ihr aus. Nach ihr, seiner über Jahre konservierten Sehnsuchtsliebe (Edition Tandem).

 

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April

Norbert Niemann, Die Einzigen (2014)

Marlene Krahl lebt für die Musik. Ihre Kompositionen und Forschungen im Bereich der elektronischen Avantgarde beanspruchen sie mit Haut und Haar, als ihr frührer Bandkollege Harry Bieler sie nach Jahren in Venedig wiedertrifft. Noch immer ist er fasziniert von ihr als Frau und Künstlerin. Gegen seine Zweifel setzt sie Entschiedenheit. Er sucht Zugang zu ihren Sphären, will ihr Förderer und Geliebter werden und holt sie nach München zurück (Berlin Verlag).

 

Uwe Kolbe, Die Lüge (2014)

Dies ist die Geschichte einer Verstrickung: Ein Vater, der in den Osten ging, um dem Land seiner Hoffnungen zu dienen. Ein Sohn, der als Komponist die Sounds seiner Generation einfängt und sich mit der Zensur arrangiert. Als der Sohn Karriere macht, steht der Vater vor der Tür (Fischer Taschenbuch).

 

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Mai

Richard Powers, Orfeo (2014)

Erzählt wird die Geschichte von Peter Els, der an der Ostküste der USA Professor für Musik ist. In den wilden Siebzigern waren seine Stücke Avantgarde. Jetzt will er der DNA ihre musikalische Struktur ablauschen und mit Molekülen komponieren. Bis die Homeland Security in sein Labor stolpert und ihn verhört, denn nach dem 11. September ist jeder verdächtig (S. Fischer Verlag).

 

Joshua Cohen, Solo für Schneidermann (2007/16)

In der New Yorker Carnegie Hall wird ein Violinkonzert aufgeführt, da kommt es zu einem Eklat: Der  Geigenvirtuose Laster soll ein Solo improvisieren, stattdessen legt er sein Instrument nieder und beginnt eine Hommage an seinen Freund Schneidermann, den Komponisten des Stücks (Schöffling & Co.).

Juni

Nora Roberts, Die Stanislaskis–Saga (1990–2001)

1. Melodie der Liebe:
Nach allem, was sie erlebt hat, kann Natasha nicht mehr an die große Liebe glauben. Bis sie dem faszinierenden Komponisten Spence Kimball begegnet und langsam beginnt, ihr Herz zu öffnen (Cora Verlag).

 

5. Der lange Traum vom Glück:
Frederica würde alles tun, um die Liebe des Komponisten Nick für sich zu gewinnen. Doch obwohl sie spürt, dass sie ihm nicht gleichgültig ist, zieht er sich immer wieder von ihr zurück. Als sie endlich die Wahrheit über Nick erfährt, bricht eine Welt für sie zusammen (Cora Verlag).

Juli

Salman Rushdie, Der Boden unter ihren Füßen (1999)

Bombay, Ende der 1950er Jahre: Der junge Gitarrist und Komponist Ormus Cama trifft auf die wilde und lebenshungrige Sängerin Vina Apsara. Für beide ist es Liebe auf den ersten Blick, und doch finden sie erst Jahre später zueinander (btb Verlag).

August

Ian McEwan, Amsterdam (1999/2001)

Alle haben sie dieselbe Frau geliebt, die nun nicht mehr ist: ein Politiker, ein Chefredakteur, ein Komponist. Als desto gegensätzlicher erweisen sich ihre Ambitionen: Ein Freundschaftspakt wird zum Teufelspakt, als es in Amsterdam zum Showdown kommt (Diogenes Taschenbuch).

 

Irene Diwiak, Liebwies (2017)

Herrlich böse erzählt Irene Diwiak in ihrem Debütroman die Geschichte der völlig unbegabten Sängerin Gisela Liebwies, die zum Star wird, und der Komponistin Ida Gussendorff, deren großes Talent verborgen bleibt (Deuticke).

September

Jeffery Deaver, Der Komponist (2017/18)

Am helllichten Tag wird auf der Straße in der New Yorker Upper East Side ein Mann überwältigt und entführt. Am Tatort bleibt ein Galgenstrick in Miniaturgröße zurück. Kurz darauf sorgt ein Video im Internet für Aufsehen: Man sieht live dabei zu, wie dem aufgehängten Opfer langsam die Luft abgeschnürt wird. Seine verzweifelten Atemzüge bilden zu einem düsteren Musikstück (blanvalet).

Oktober

Hans-Ulrich Treichel, Tristanakkord (2000)

Der schüchterne Georg Zimmer, Doktorand in Berlin, gerät durch Zufall in die Fänge eines weltberühmten Komponisten — und hinein in eine befremdliche Welt der Kultur und der Künste, des Erfolgs und des Ruhms (Suhrkamp Taschenbuch).

 

Patricia Duncker, Der Komponist und seine Richterin (2010/11)

Ein Sektenselbstmord, ein uraltes ägyptisches Totengebet, ein Komponist mit beunruhigender Strahlkraft, eine Richterin, die ihn nicht aus den Augen lässt: Verführerisch und doppelbödig — Patricia Duncker entspinnt ein Netz vielschichtiger Beziehungen, in dem sie den Leser genussvoll zappeln lässt (Bloomsbury Verlag).

November

Mikel Santiago, The Last Night at Tremore Beach (2014/17)

What starts out as an idyllic summer holiday on the Irish coast soon becomes a living nightmare with unpredictable consequences for a world-renowned composer and his family in this chilling psychological thriller (Atria Books).

Dezember

Heather Rose, The Museum of Modern Love (2018)

Arky Levin has reached a dead end. Unexpectedly seperated from his wife, he suddenly has the space he needs to work composing film scores—but none of the peace of mind he needs to create. As he wanders the city, guilty and restless, it’s almost by chance that he stumbles upon an exhibition that will change his life (Algonquin Books of Chapel Hill).

Weihnachten

Reinhard Kleist, CASH — I see a darkness (2006)

Fesselnd und in eindrücklichen Bildern schildert der renommierte Comic-Autor Reinhard Kleist in seiner Graphic Novel das bewegte Leben des »Man in Black«: von seinen frühen Sessions mit Elvis über das Konzert im Folsom Prison, das Cash Ende der 60er Jahre zur berühmtesten Stimme Amerikas macht, bis hin zu seinem spektakulären Comeback an der Seite des Produzenten Rick Rubin (Carlsen Comics).

 

Ders., Nick Cave — Mercy on me (2017)

Reinhard Kleist, ein meisterlicher Comiczeichner und Mythenschöpfer, hat wieder einmal die Konventionen der Comickunst gesprengt — mit einem beängstigenden Husarenstück aus Cave-Songs, historischen Halbwahrheiten und herrlichen Hirngespinsten (Carlsen Comics).