Musik

Komponieren tue ich in etwa seit meinem 10. Lebensjahr. Nachdem durch meine Grundschullehrerin die Liebe zur (Klass.) Musik entdeckt und ich in der Folge erste Schritte auf der Melodica gemacht habe, begann ich mir diese unbekannte Welt zu erschließen: nach Gehör spielte ich die Kleine Nachtmusik und Brahms’ Wiegenlied (zur Eignungsprüfung für das Gymnasium) nach. An zeitgenössische, avantgardistische, Neue Musik war — auch am Beginn des 21. Jahrhunderts — in der Schweriner Großstadt (und doch so kleinen Welt) kaum zu denken. Ich blieb ein absoluter Autodidakt. Das änderte sich erst als ich 2006 endlich Komposition studieren konnte:

»Wir nehmen Sie auf — aber mit einem Risiko: Sie haben ein Manko in zeitgenössischer Musik«, attestierte mir die Prüfungskommission nach der Aufnahmeprüfung. Mit diesem Manko hader(t)e ich seitdem, mache es jedoch fortwährend fruchtbar in meinen Werken.

Die Auseinandersetzung mit sowohl meiner musikalischen Vergangenheit als auch der Musikgeschichte als solcher sind stets präsent in meinen Kompositionen — wie auch der starke Bezug zur Film- und Fernsehmusik und Bildmedien, v. a. zu Animationsserien und Comics im weitesten Sinne.

Auffällig an meinem Œuvre ist zudem, dass ich gerne (um nicht zu sagen: fast ausschließlich) mit traditionellen Werkbezeichnungen arbeite. Obschon diese seit einer Weile auch an mancher Stelle von weniger üblichen Titeln abgelöst werden, ist mir dennoch die Verwendung, ja: Hinwendung zu traditionellen Werk- und Gattungsbezeichnungen ein wichtiges Mittel, welches ich nicht missen möchte — da ich denke, dass es v. a. eines tut, das mir ganz wichtig erscheint und worin mir sehr viele Kolleg*innen widersprechen: es baut nicht nur eine Erwartungshaltung, sondern auch ein Vertrauen bei Publikum und Interpret*innen auf; etwas, das mir in meiner eigenen künstlerisch-praktischen Arbeit ganz besonders vonnöten scheint und wovon die Avantgarde sich allzu sehr entfernt haben mag.

 
 

Vokalmusik

Der Vokalmusik kommt in meinem Schaffen der weitaus größte Stellenwert zu, schlichtweg deshalb, weil ich selbst sängerisch aktiv war und bin, und ich mich an der Beschäftigung mit der menschlichen Stimme einfach nicht satthören, -sehen, -singen und ganz sicher nicht sattschreiben kann. Den Stimmen, mit denen ich infolge meines Schaffens habe arbeiten dürfen, bin ich zu größtem Dank verpflichtet.

Alles was wahr ist (Auszug)Alles, was wahr ist (T. 5/6, aus KAHLAUer, 2008)

Auch die Arbeit mit Texten, das Vertonen und Um- & Verarbeiten von Gedichten, Bildern und präexistenter Musik zieht sich wie ein roter Faden durch mein Œuvre. Seit einiger Zeit kommt dort hinzu auch die Verarbeitung eigenständiger außermusikalischer künstlerischer Erzeugnisse (Texte, Bilder etc.).

Die Auseinandersetzung mit der menschlichen Stimme — sowohl der Profi- wie der Laienstimme — ist für mich auch ein wissenschaftlich spannendes Feld, das ich zudem in künstlerischen Projekten in Bezug auf präsenz-, resonanz- und entfremdungstheoretische Interpretations- und Rezeptionsstudien erforsch(en möcht)e.